Hubertustradition

29.10.2014 - , BM

HubertustraditionDer heilige Hubertus von Lüttich soll schon zu Lebzeiten ein beliebter Bischof gewesen sein. Vermutlich wird er darum noch heute von vielen Berufsgruppen gerne als Schutzpatron geführt. Weithin bekannt ist er als Schutzpatron der Jäger, die stets am 3. November, dem Tag seiner Heiligsprechung, an ihn erinnern und Hubertusmessen mit ihren Jagdhörnern begleiten.

Diese Tradition ist bei einigen umstritten. Ohne auf die Einzelheiten eingehen zu wollen, ist ein häufiger Kritikpunkt das angebliche Verhalten dieses Heiligen bei der originären Jagd: Es wird dem Bischof gelegentlich nachgesagt, er hätte nicht waidgerecht gejagt und ihm sei darum ein Hirsch mit einem Kruzifix als Mahnmal zwischen den Geweihstangen erschienen, woraufhin er die originäre Jagd aufgegeben haben soll. Genaueres ist indessen nicht überliefert und so enthält seine Vita manche Begebenheit, die ihm in den letzten 1300 Jahren zugeschrieben wurde, die jedoch möglicherweise auch von einigen Vorgängern oder Nachfolgern dieses Patroziniums herrühren.

Wie auch immer es gewesen sein mag, er ist in jedem Fall als Sünder im christlichen Glauben mit vielen aktuellen Mitmenschen, aber auch hinsichtlich mit einigen seiner christlichen Vorgänger, in der allerbesten Gesellschaft. Allen voran der Soldat Saulus, der schließlich unter dem Namen Paulus zum christlichen Verkünder des Evangeliums wurde – derselbst soll sich sogar nicht nur als Sünder, sondern sogar als Missgeburt bezeichnet haben. Man mag nun über diese christliche Schuldkultur denken wir man will, sie hat auf jeden Fall eine lange Tradition mit dem Vorteil, dass sogar aus dem Geringsten noch ein ordentlicher Kerl mit Vorbildcharakter werden kann. Insofern erscheint es in der christlichen Kultur durchaus nicht nachteilig, wenn einem Schutzpatron eine denkwürdige Vergangenheit nachgesagt wird.

Die Botschaft des Schutzpatrons an die Jäger – und das sind wir schließlich alle – ist hingegen eindeutig: Verhalte dich waidgerecht und sei ein ordentlicher Mensch, der dem Leben mit Ehrfurcht und Achtung begegnet!

Es ist eine Aufforderung unsere Heiligtümer zu achten: Heilig ist was heilbringend ist, was wir nicht selbst schaffen können, was uns gegeben wurde und was wir um unserer selbst Willen bewahren müssen:  Die Natur, unsere Mitwelt, in Form von Wasser, Boden, Luft und nicht zuletzt in Form der Vielfalt des Lebens insgesamt.

Eine solche Überlieferung, eine solche Religion in Form einer Rückbindung des Menschen an seine Wurzeln, an seine Existenzgrundlage, kann niemals eine leere Tradition sein, sondern ist für alle aktueller denn je – egal welches Glaubensbekenntnis sie haben. Ein Sterben solcher Traditionen ist darum kein Ethikwandel sondern ein Ethikverlust, den wir uns gar nicht leisten können.

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